Fünfundzwanzig Minuten mit dem Boot. Das ist alles, was Lanzarote von einem Ort trennt, an dem es keine asphaltierten Straßen gibt, die Wege aus Sand sind, keine Ampeln existieren und die Strände nicht mal eine Strandbar haben.
La Graciosa ist die achte Kanareninsel — und das ganz offiziell seit 2018, als sie endlich aufhörte, „ein kleines Eiland von Lanzarote" zu sein, und als eigenständige Insel anerkannt wurde. Hier leben rund siebenhundert Menschen. Es gibt keine Hotels. Keine Mietwagen. Keine Eile.
Dieser Guide erklärt dir, wie du hinkommst, was du an einem Tag unternehmen kannst und was du vorher wissen solltest, bevor du an Bord der Fähre gehst.

Anreise nach La Graciosa
Die Fähre startet in Órzola, an der Nordspitze von Lanzarote. Bis Caleta de Sebo, dem Hauptort, sind es rund 25 Minuten.
- Zwei Reedereien bedienen die Route, in der Hochsaison mit Abfahrten etwa jede Stunde, im Winter seltener. Die Fahrpläne ändern sich: schau sie dir am Vortag an.
- Richtpreis: etwa 25–30 € pro Erwachsenem, hin und zurück.
- Tickets gibt es online oder am Schalter am Hafen.
- Ein Auto brauchst du nicht (vergiss es sogar: dafür ist eine Sondergenehmigung nötig, und es lohnt sich nicht).
mit dem Auto rund 40 Minuten von Costa Teguise und über eine Stunde von Playa Blanca. Es gibt eine guagua (kanarischer Ausdruck für Bus), aber die fährt nur alle ein bis zwei Stunden: wenn du damit zurückfahren willst, plane gut, sonst strandest du. Wie du dich auf Lanzarote fortbewegst
Der Trick, den fast niemand kennt: die erste und die letzte Abfahrt sind entscheidend. Nimm das erste Boot am Morgen und das letzte am Abend, dann hast du die ganze Insel für dich. Fährst du erst mittags, reicht die Zeit gerade für ein Essen und kaum mehr.
Und der ernst gemeinte Hinweis: das Meer zwischen Órzola und Caleta de Sebo kann ganz schön aufgewühlt sein. Die Überfahrt ist kurz, aber wackelig, und bei starkem Wind werden Abfahrten auch mal gestrichen. Wenn du seekrank wirst: vorher eine Tablette nehmen, hinten hinsetzen und zum Horizont schauen.
Was La Graciosa genau ist
Sie liegt im Naturpark Archipiélago Chinijo und ist umgeben vom größten Meeresschutzgebiet Europas. Daneben liegen Montaña Clara, Alegranza und die unbewohnten Roques del Este und del Oeste: genau das, was du vom Mirador del Río aus da unten siehst.
Zwei Ortschaften:
- Caleta de Sebo: der Hauptort. Siebenhundert Einwohner, sandige Straßen, weiß-blaue Häuser, Restaurants, Geschäfte und der Hafen.
- Pedro Barba: eine Handvoll Häuser im Nordosten, fast alles Ferienhäuser. Absolute Stille.
Und das war's. Der Rest ist Vulkane, Sand und Meer.
Wie du dich auf der Insel fortbewegst
Es gibt keine asphaltierten Straßen. Nur Sandpisten. Du hast drei Optionen:
🚲 Mit dem Fahrrad — der Klassiker. Direkt in Caleta de Sebo, gleich nach der Ankunft, kannst du eins mieten. Aber Achtung, das verschweigen dir viele: Die Pisten bestehen aus losem Sand, es gibt Anstiege und der Wind bläst kräftig. Auf manchen Abschnitten wirst du das Rad am Ende schieben. Wenn du es dir leisten kannst, nimm ein E-Bike: Das verändert den Tag komplett.
🚙 Mit dem 4x4-Taxi. Sie starten am Hafen und fahren die wichtigsten Strände ab. Die richtige Wahl, wenn du mit Kindern, bei Hitze oder mit wenig Zeit unterwegs bist.
🚶 Zu Fuß. Völlig machbar, wenn dir La Francesa reicht (etwa 20-25 Minuten zu Fuß). Für den Rest wird es ziemlich lang.
Ungefähre Entfernungen ab Caleta de Sebo:
Ziel Ca.
Playa La Francesa~2 kmPlaya de la Cocina~5 kmPedro Barba~5 kmPlaya de las Conchas~7 km
Die Strände
La Francesa
Der nächstgelegene und lohnendste Strand. Goldener Sand, ruhiges, klares Wasser, und gegenüber erhebt sich der Risco de Famara 600 Meter über dem Meer. Das ist das Postkartenmotiv von La Graciosa und der Strand, an dem du wirklich schwimmen gehst.
Playa de la Cocina
Am Fuß der Montaña Amarilla, einem ockerfarbenen Vulkan, der direkt ins Wasser abfällt. Klein, geschützt und der meistfotografierte Strand der Insel. Der Kontrast zwischen dem Gelb und dem Türkis wirkt fast unwirklich.
Playa de las Conchas
Im Norden, mit Blick auf Montaña Clara. Er ist der spektakulärste von allen — heller Sand auf gut einem Kilometer, dazu Wind und offener Ozean.
⚠️ Und er ist auch der gefährlichste: Hier gibt es sehr starke Strömungen. Hierhin kommt man, um zu schauen, zu spazieren und zu fotografieren. Nicht um zu schwimmen. Dass niemand da ist, ist keine Einladung: es ist eine Warnung.

Der perfekte Tag
Uhrzeit Plan
8:00-9:00Erste Fähre ab Órzola9:30Fahrrad in Caleta de Sebo mieten (oder 4x4-Taxi)10:00Playa La Francesa: erstes Bad, mit Famara im Blick12:00Playa de la Cocina und die Montaña Amarilla14:00Essen in Caleta de Sebo: frischer Fisch vom Tag16:00Las Conchas (nur anschauen) oder zweite Runde an La Francesa18:00Letzte Fähre, die Insel färbt sich golden im Hintergrund
Wenn du mit Kindern oder bei Hitze unterwegs bist: 4x4-Taxi und zwei Strände. Versuch nicht, alles zu schaffen.
Was du mitnehmen solltest (das ist wirklich wichtig)
- Wasser. Viel davon. Außerhalb von Caleta de Sebo gibt es absolut nichts: keine Brunnen, keine Bars, keinen Schatten.
- Essen, falls du den ganzen Tag außerhalb des Ortes verbringst.
- Sonnencreme, Kappe und Sonnenbrille. Auf der ganzen Insel gibt es keinen einzigen natürlichen Schattenplatz.
- Bargeld. Das Angebot ist klein und einfach: geh nicht davon aus, dass es einen Geldautomaten gibt oder überall Karten akzeptiert werden.
- Schuhe, die Sand vertragen. Hier ist alles Sand.
- Eine Windjacke. Auch wenn die Sonne scheint: hier weht immer Wind.
- Eine Tüte für deinen Müll. Hier räumt niemand für dich auf. Was du mitbringst, nimmst du auch wieder mit.
Häufig gestellte Fragen
Wie kommt man nach La Graciosa?
Wie viel kostet die Fähre nach La Graciosa?
Muss man im Voraus buchen?
Kann man das Auto mitnehmen?
Wie viel Zeit braucht man?
Lohnt sich das Fahrrad?
Kann man dort schwimmen gehen?
Gibt es Hotels?
Das Besondere an La Graciosa sind nicht die Strände, nicht die Farbe des Wassers und nicht die Vulkane. Es ist der Lärm. Oder besser gesagt: seine Abwesenheit. Keine Motoren, kein Asphalt, kein Verkehr. Du fährst mit dem Fahrrad über eine Sandpiste, und das Einzige, was du hörst, ist der Wind und dein eigener Atem.
Fünfundzwanzig Minuten mit dem Boot. So viel liegt zwischen deinem Hotel und dem stillsten Ort der Kanaren.