Eine Insel ohne Wasser, mit kaum Regen und einem Drittel des Territoriums unter Lava begraben. Und trotzdem musste hier irgendwie jeder satt werden.

Genau das ist der Schlüssel, um die Küche hier zu verstehen: die kanarische Küche ist aus dem Nichts entstanden. Man kocht mit Meerwasser, weil Süßwasser Gold wert war. Man isst geröstetes Getreidemehl, weil es sich monatelang hielt. Man züchtet Ziegen, weil sie als einzige Tiere im picón (poröses Lavagestein) überleben. Und aus diesem Mangel ist eine Küche entstanden, wegen der du heute wiederkommst.

Das sind die 10 typischen Gerichte aus Lanzarote, die du probieren solltest – wie sie wirklich sind und wo du sie findest.

Runzelkartoffeln mit roter und grüner Mojo-Sauce auf einer Terrasse am Meer
Runzelkartoffeln mit roter und grüner Mojo-Sauce auf einer Terrasse am Meer

1. Papas arrugadas mit Mojo

Das Gericht schlechthin. Das von den Fotos, das auf den T-Shirts, das du am ersten Tag probierst.

Aber dahinter steckt mehr, als man denkt: Die papas arrugadas (kleine Kartoffeln, in stark gesalzenem Wasser gekocht) werden in extrem salzigem Wasser – traditionell Meerwasser – gegart, bis das Wasser verdampft ist und die Schale runzelig wird und eine weiße Salzkruste bekommt. Geschält wird hier nichts: Man isst sie mit Schale. Und wenn das Salz aus den Salinas de Janubio kommt, schließt sich der Kreis der ganzen Insel.

Dazu gibt es Mojo, und zwar in zwei Varianten:

  1. Mojo rojo (auch picón genannt): Paprika, Knoblauch, Kreuzkümmel, Chili. Mal scharf, mal nicht.
  2. Mojo verde: Koriander oder Petersilie. Mild, frisch, ideal zum Fisch.
Tipp

Die echte Kartoffel hier ist klein und dunkelhäutig. Wenn du eine große, helle Kartoffel bekommst, ist das nicht dasselbe.

2. Der Gofio

Das älteste Gericht der Kanaren: Schon die majos aßen es, bevor überhaupt jemand anders hier ankam. Gofio ist Mehl aus millo (Mais), Weizen oder Gerste, das vor dem Mahlen geröstet wird — das gibt ihm den Geschmack und sorgte dafür, dass es sich monatelang hielt, ohne schlecht zu werden.

Jahrhundertelang war es das Brot der armen Leute, heute findet man es überall:

  1. Gofio escaldado: mit heißer Fischbrühe zu einem Teig verknetet. Man isst es mit roher Zwiebel dazu. Klingt komisch, schmeckt fantastisch.
  2. Pella de gofio: zu einer Rolle geknetet, manchmal mit Mandeln oder Honig.
  3. Über den Eintopf gestreut, im Eis, in Desserts und sogar in Craft-Bier.

3. Sancocho Canario

Das Sonntagsgericht, das für Feste und für die Karwoche. Gesalzener Fisch —meist Zackenbarsch (cherne)— der stundenlang gewässert wird, gekocht mit Kartoffeln und Süßkartoffeln, serviert mit Mojo und einer pella de gofio dazu.

Es ist die Definition dieser Küche: entstanden aus der Notwendigkeit, Fisch in Salz haltbar zu machen, und am Ende genau das Gericht, das die ganze Insel isst, wenn man zusammenkommt.

4. Gegrillter Ziegenkäse

Hier hat die Ziege das Sagen: Sie ist das Tier, das in einer Landschaft überlebt, in der nichts wächst. Und der Ziegenkäse der Insel, jung oder halbgereift, wird auf eine Art zubereitet, die alles verändert: auf der Plancha gebraten, bis er außen goldbraun und innen weich wird, mit Mojo obendrauf oder einem Schuss Honig.

Tipp

Bestell ihn als Vorspeise zum Teilen. Er ist der kanarische Appetithappen schlechthin.

Gegrilltes Käsebrot mit Tomatenmarmelade auf einer Terrasse in Lanzarote
Gegrilltes Käsebrot mit Tomatenmarmelade auf einer Terrasse in Lanzarote

5. Der geräucherte Lachs aus Uga

Der überraschendste Punkt dieser Liste. In Uga, einem Dorf im Inland mitten in einer vulkanischen Wüste, gibt es seit Jahrzehnten eine Lachsräucherei, die sogar über die Insel hinaus bekannt ist. Geräuchert wird langsam, mit lokalem Holz.

Ja, richtig gelesen: ein Dorf ohne Meer, ohne Flüsse und ohne Lachse — und trotzdem einer der besten geräucherten Lachse, die du probieren wirst. Sehr typisch für Lanzarote.

Tipp

Es liegt nur einen Steinwurf von La Geria entfernt. Kombiniere den Besuch mit der Weinroute. Weingüter und Weine aus La Geria

6. Frischer Fisch: die vieja

Du bist auf einer Insel: Fisch ist Pflicht. Die Königin ist die vieja, ein Felsenfisch mit weißem, zartem Fleisch, der sancochada (gekocht, mit Kartoffeln und grünem Mojo) oder a la espalda serviert wird. Dazu cherne, sama, bocinegro oder Oktopus.

Wo

in den Fischerdörfern, mit dem Meer, das zehn Meter weiter bricht. El Golfo, Arrieta, Órzola, Punta Mujeres, Playa Blanca, der Charco de San Ginés in Arrecife.

7. Kaninchen im salmorejo

Nichts zu tun mit dem salmorejo aus Córdoba. Hier ist salmorejo eine Marinade: Wein, Knoblauch, pimienta palmera, Thymian, Lorbeer, Essig. Das Kaninchen mariniert darin einen ganzen Tag und wird dann in genau dieser Sauce geschmort.

Es ist der kanarische Schmortopf des Hinterlands, der aus den Dörfern, der nach Sonntag riecht. Dazu natürlich papas arrugadas.

8. Ziegenfleisch

Wieder die Ziege, diesmal geschmort — cabra compuesta nennt man das. Dunkles Fleisch, langer Schmorprozess, dicke Soße. Es ist deftig, es ist von hier, und es gehört zu den Gerichten, die in den Dörfern im Inland am häufigsten bestellt werden.

9. Ropa Vieja

Resteverwertung als Gericht: Kichererbsen und Fleisch vom Eintopf des Vortags, zusammen mit Kartoffeln und Zwiebeln gebraten, bis alles goldbraun ist. Entstanden, weil man hier nichts wegwirft — so wie eigentlich alles hier entstanden ist.

10. Bienmesabe

Das Dessert. Gemahlene Mandeln, Ei, Zucker und Zitrone, zu einer dichten, extrem süßen Creme verarbeitet, die pur oder auf Eis serviert wird. Der Name (wörtlich „schmeckt mir gut") erklärt sich von selbst.

Und falls sie mal auftauchen: frangollo (süßer Gofio mit Milch), quesillo (der kanarische Flan) oder truchas de batata zu Weihnachten.

Chia-Pudding im Glas mit Nüssen auf einer Terrasse mit Bergblick
Chia-Pudding im Glas mit Nüssen auf einer Terrasse mit Bergblick

Zum Trinken (das zählt auch)

  1. Malvasía volcánica. Der trockene, mineralische Weißwein aus La Geria, der in Aschelöchern wächst. Das gibt es sonst nirgendwo.
  2. Ron miel. Rum mit Zuckerrohrhonig, süß und tückisch. Wird gern als Schnaps zum Abschluss gereicht.
  3. Barraquito. Kaffee mit Kondensmilch, Licor 43, Milchschaum, Zimt und Zitrone, schön geschichtet. Stammt eigentlich aus Teneriffa, wird aber auf den ganzen Kanaren bestellt. Probier ihn einfach.

Wie du gut isst und nicht in die Touristenfalle tappst

  1. Halte dich von der Strandpromenade fern. In Puerto del Carmen und Playa Blanca gibt es Speisekarten in fünf Sprachen mit Fotos: Dort isst man nicht kanarisch, sondern „international".
  2. Fahr ins Landesinnere, oder in die kleinen Fischerdörfer. Uga, Yaiza, Teguise, Haría, El Golfo, Arrieta, Punta Mujeres.
  3. Wenn es eine Tafel statt einer Karte gibt, ist das ein gutes Zeichen.
  4. Iss zu den Zeiten hier: 14:00 Uhr Mittagessen, 21:00 Uhr Abendessen. Um 18:30 Uhr sitzen nur Touristen beim Abendessen.
  5. Frag nach dem Fisch des Tages. Bestell keinen Lachs (außer den aus Uga 😉).
  6. Sonntags versorgt dich der Markt von Teguise mit Käse, Mojo und Salz zum Mitnehmen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist das typische Gericht aus Lanzarote?
Ganz klar die papas arrugadas mit Mojo. Kleine Kartoffeln, in stark gesalzenem Wasser gekocht, mit Schale, dazu roter oder grüner Mojo.
Was ist Gofio?
Mehl aus millo, Weizen oder Gerste, das vor dem Mahlen geröstet wird. Es ist das älteste Lebensmittel der Kanaren — schon die Ureinwohner aßen es. Man isst es escaldado, als pella, gestreut oder sogar in Desserts.
Isst man die Kartoffeln mit Schale?
Ja. Die runzelige Schale mit ihrer Salzkruste ist die halbe Miete.
Ist der Mojo scharf?
Der rote kann scharf sein (vor allem der picón), der grüne nicht. Wenn dir das wichtig ist, frag lieber nach: jedes Lokal macht ihn ein bisschen anders.
Welchen Fisch sollte ich in Lanzarote bestellen?
Vieja, cherne, sama oder bocinegro. Und immer den Fisch des Tages.
Kann man als Vegetarier gut essen?
Ja, das geht: Kartoffeln mit Mojo, gegrillter Käse, Eintöpfe, Gofio, Salate. Die traditionelle Küche ist aber stark auf Fleisch und Fisch ausgerichtet, also frag in kleinen Dörfern lieber vorher nach.
Was kann ich als Mitbringsel kaufen?
Malvasía volcánica, abgefüllten Mojo, Salz aus Janubio, gereiften Käse und Gofio. Die ersten vier kommen problemlos durch die Flughafenkontrolle, wenn sie im aufgegebenen Gepäck sind.

Auf Lanzarote kocht man nicht mit Süßwasser, sondern mit Meerwasser. Man isst kein Brot, sondern geröstetes Getreide. Man züchtet keine Kühe, sondern Ziegen. Jedes Gericht dieser Liste ist die Antwort von jemandem auf eine Insel, die ihm nichts gab.

Und dreihundert Jahre später stellt sich heraus, dass genau das — die papa arrugada, das Salz des Vulkans, der Wein aus dem Aschehügel — das ist, weswegen du eigentlich hergekommen bist.