Im Januar hat München 2 °C. London 6. Madrid 9.
Lanzarote 21.
Und das ist kein zufälliger guter Tag: das ist der Durchschnitt. Winter bedeutet hier, sich abends eine leichte Jacke überzuziehen und sie um elf Uhr morgens wieder auszuziehen. Deshalb füllt sich diese Insel mit Kurzarm-Trägern, während halb Europa den Mantel rauskramt.
Genau darum geht es in diesem Artikel: warum der Winter wahrscheinlich die beste Zeit ist, um Lanzarote zu erleben — und um das, was dir niemand erzählt.
Zuerst das Paradox
Hier ist der Winter Hochsaison. Genau umgekehrt wie auf dem spanischen Festland.
Von Dezember bis März füllt sich die Insel mit Deutschen, Briten, Iren und Skandinaviern, die nicht wegen des Strandes kommen, sondern wegen der Sonne auf der Haut. Lanzarote ist kein Sommerziel, das den Winter übersteht. Es ist ein Winterziel, das obendrein noch einen Sommer hat.
Also Vorsicht mit dem Begriff „Nebensaison": Er bedeutet nicht billig. Er bedeutet eine andere Art zu reisen.
Die sechs echten Gründe
1. Das Klima ist kein Versprechen, sondern eine Tatsache
21 °C Durchschnittshöchsttemperatur im Januar, 14 °C Tiefsttemperatur. Es regnet extrem wenig, und wenn, dann in vorbeiziehenden Schauern. Zwischen dem kältesten und dem wärmsten Monat des Jahres liegen sieben Grad. Sieben.
2. Es ist DIE Wandersaison
Und das ist der große Grund. Im Sommer ist Wandern hier keine gute Idee: es gibt keinen Schatten, das schwarze Gestein gibt die Hitze zurück und die Sonne steht senkrecht.
Im Winter ändert sich alles. Caldera Blanca, der Vulkan El Cuervo, Los Ajaches bis Papagayo, der Risco de Famara: 18-20 °C, klarer Himmel und das Lavameer ganz für dich allein. Wer im August kommt, sieht diese Insel gar nicht. Er sieht den Strand.
3. Vulkane ohne Warteschlange
Timanfaya im August bedeutet Zeitfenster, die Tage im Voraus ausgebucht sind. Timanfaya im Januar bedeutet, einfach reinzugehen, wann du willst. Genauso bei den Jameos, der Cueva de los Verdes und dem Mirador del Río.
Manriques Werk ohne Menschenmassen davor zu sehen, ist buchstäblich ein anderer Besuch.
4. Das Licht
Fotografen wissen es: die tiefstehende Wintersonne lässt das Rot der Montañas del Fuego glühen, das Grün des Charco de los Clicos explodieren und Janubio wie gemalt aussehen. Im Sommer, mittags, wirkt das alles flach.
Und die Tage sind kurz: Der Sonnenuntergang erwischt dich wach, nicht beim Abendessen.
5. Das Land lebt
Im Januar wird in La Geria der Weinberg beschnitten und San Antonio Abad gefeiert, das Fest des ländlichen Lanzarote. Im Februar kommt der Karneval, der in Arrecife und Puerto del Carmen zu den größten der Kanaren zählt.
Und wenn es etwas geregnet hat, passiert etwas, das niemand mit dieser Insel verbindet: das Malpaís (Lavaödland) wird grün. Das dauert nicht lange und gehört zu den seltsamsten und schönsten Dingen, die man hier sehen kann.
6. Der Himmel
Lange Nächte, trockene Luft und wenig Lichtverschmutzung — dank Manrique gibt es hier keine überflüssigen Werbetafeln oder Straßenlaternen. Der Winterhimmel im Inselinneren ist der Wahnsinn. Fahr raus aus Yaiza oder Tinajo, mach den Motor aus und schau nach oben.
Und jetzt das, was man dir nicht erzählt
Denn ein Artikel, der nur verkauft, bringt nichts:
- Das Meer hat 18-19 °C. Baden geht — es gibt Nordeuropäer, die das jeden Tag tun —, aber du gehst mit komischem Gesicht rein. Wenn du zum Schwimmen kommst, komm im September oder Oktober.
- Es weht. Der Passatwind (alisio) ist milder als im Sommer, aber im Norden und in Famara bläst er trotzdem.
- Die Tage sind kurz. Es wird früh dunkel: weniger Tageslichtstunden, um sie auszukosten.
- Der Norden zieht sich zu. In dieser Zeit ist Dunst am wahrscheinlichsten: Der Mirador del Río kann dir eine weiße Wand bescheren. Hab einen Plan B parat.
- Und Weihnachten ist nicht billig. Vom 20. Dezember bis 7. Januar und im Februar schießen die Preise durch die Decke: Dann kommt ganz Europa.
Welche Wochen also?
Wann Was dich erwartet
November🏆 Das versteckte Juwel. Meer noch angenehm warm (~22 °C), tagsüber 24 °C, niedrige Preise, wenig Andrang.Dezember (1.-19.)Sehr gute Option. Sonne, Ruhe und noch keine Lawine an Touristen.Weihnachten und Heilige Drei KönigeWunderschön… und richtig teuer. Buche Monate im Voraus.Januar (nach den Feiertagen)🏆 Das andere Juwel. Die Insel leert sich, die Preise fallen, die Sonne scheint genauso.FebruarEuropäische Hochsaison + Karneval. Alles voll.MärzDie Tage werden länger, das Meer wärmer. Hervorragend zum Wandern.
Unsere Empfehlung: November oder Januar nach den Feiertagen. Gleiche Sonne, halbe Insel und der halbe Preis.
Was in den Koffer gehört
Einen Mantel brauchst du nicht, aber komm auch nicht wie im August:
- Leichte Jacke oder Windbreaker — für die Abende und die Aussichtspunkte.
- Langarmshirt zum Wandern. Und Sonnencreme: Die Januarsonne brennt genauso, nur merkst du es wegen der kühlen Luft nicht.
- Wanderschuhe, falls du auf Malpaís unterwegs bist. Hier ja, unbedingt.
- Badesachen, ja. Und sei es nur, um aufs Meer zu schauen und sich dagegen zu entscheiden.
Häufig gestellte Fragen
Lohnt sich ein Besuch auf Lanzarote im Winter?
Ist es im Winter auf Lanzarote kalt?
Regnet es viel?
Kann man im Winter baden?
Ist es im Winter günstiger?
Ist alles geöffnet?
Was mache ich bei Dunst oder Calima?
Es gibt ein Foto, das sich hier jeden Januar wiederholt: jemand trinkt in Kurzarm auf einer Terrasse ein Bier, blickt auf den Atlantik, während aufs Handy Fotos von der eingeschneiten Heimatstraße flattern.
Das ist Lanzarote im Winter. Vier Flugstunden entfernt, gleiche Zeitzone, gleicher Euro, ohne Impfungen oder Visa. Der Ort in Europa, an dem sich der Dezember nicht wie Dezember anfühlt.