Fast niemand besucht Arrecife. Man landet zehn Minuten entfernt, fährt auf dem Weg zu einem anderen Ort vorbei und hakt es ab: "das ist doch nur die Stadt, da gibt's nichts zu sehen".
Und das ist ein Fehler. Denn hier findest du den einzigen Teil von Lanzarote, der nicht für den Tourismus zurechtgemacht wurde: eine echte Hafenstadt mit zwei Burgen, einer Meerwasserlagune mit bunten Booten mitten im Zentrum, dem besten Tapas-Viertel der Insel und Stadtpreisen statt Resort-Preisen.
Das ist keine Postkarte. Das ist etwas anderes: hier lebt das echte Leben der Insel.
1. Der Charco de San Ginés
Die Seele der Stadt und der Grund, weshalb sich der Besuch lohnt. Eine Meerwasserlagune mitten im Stadtzentrum, über einen Kanal mit dem Ozean verbunden, umgeben von niedrigen, weiß getünchten Häusern, mit bunten Booten, die sich bei ruhigem Wasser darin spiegeln.
So sah Arrecife aus, bevor es überhaupt etwas war: eine Handvoll Fischer rund um eine geschützte Lagune.
Heute hat man daraus etwas gemacht: eine Promenade drumherum, Terrassen und das beste Tapas-Viertel von Lanzarote. Hier gehen die Leute essen, die auf der Insel arbeiten – nicht die, die Urlaub machen.
bei Sonnenuntergang. Mit dem tiefstehenden Licht, dem ruhigen Wasser und den angehenden Lichtern ist das einer der schönsten Ecken von Lanzarote überhaupt – und liegt in einer Stadt, die niemand beachtet.
2. Das Castillo de San Gabriel und die Puente de las Bolas
Auf einer kleinen Insel gegenüber der Stadt, über zwei Steinbrücken mit dem Festland verbunden. Die bekannteste ist die Puente de las Bolas ("Kugelbrücke"), mit den zwei Kugeln auf den Pfeilern, die zum Wahrzeichen von Arrecife geworden sind.
Die Burg stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde – wie sollte es anders sein – gegen Piraten errichtet, die diese Küste immer wieder überfielen. Heute beherbergt sie das Historische Museum von Arrecife: die Geschichte der Stadt, des Hafens und der Insel.
Auch wenn du nicht reingehst, überquere die Brücke bei Sonnenuntergang. Der Blick auf die Stadt von der kleinen Insel aus ist die fünf Minuten wert.
3. Das Castillo de San José und das MIAC
Eine weitere Festung, diese aus dem 18. Jahrhundert, hoch über dem Hafen von Los Mármoles gelegen. Sie wurde in einer Hungerzeit gebaut, um den Leuten Arbeit zu geben – daher der Beiname "die Festung des Hungers".
Und hier kam César Manrique in den siebziger Jahren vorbei und machte daraus das MIAC: das Internationale Museum für zeitgenössische Kunst. Eine Burg aus schwarzem Stein von außen, und innen weiße Säle mit moderner Kunst, Wendeltreppen und ein Restaurant mit Fensterfront zum Hafen.
Es ist das Werk von Manrique, das am wenigsten Besucher hat – und eines der elegantesten.
4. Der Strand Playa del Reducto
Der Stadtstrand der Hauptstadt, und besser als es klingt: goldener Sand, ruhiges und geschütztes Wasser, Strandpromenade und Blaue Flagge, mit der Stadt im Hintergrund.
Das ist natürlich nicht Papagayo. Aber wenn du in Arrecife übernachtest, einen freien Nachmittag hast oder mit Kindern unterwegs bist und keine Lust hast, die Kühltasche bis zu einer abgelegenen Bucht zu schleppen, ist das eine völlig würdige Lösung.
5. Das Zentrum: die Calle Real und San Ginés
Die Calle Real (offiziell León y Castillo) ist die Fußgängerachse des Zentrums: Geschäfte, Terrassen und das Treiben einer ganz normalen Stadt.
Auf der einen Seite liegt die Kirche San Ginés, die Pfarrkirche der Hauptstadt, weiß getüncht und schlicht, dem Schutzpatron gewidmet, der den großen Festen im August seinen Namen gibt.
Und über allem thront das Gran Hotel: der Turm, der die Silhouette der Stadt durchbricht. Er wurde gebaut, bevor die von Manrique durchgesetzten Höhenbeschränkungen in Kraft traten, und ist die Ausnahme, die die Regel bestätigt: das einzige Hochhaus einer Insel, auf der nichts höher sein darf als eine Palme. Schau es dir an, und du verstehst, warum Manrique diesen Kampf geführt hat.
Wie du den Besuch planst
Ein halber Nachmittag reicht. Arrecife lässt sich zu Fuß erkunden: Charco de San Ginés → Calle Real → Playa del Reducto → Castillo de San Gabriel bei Sonnenuntergang → Tapas. Das MIAC liegt etwas abseits, dorthin besser mit dem Auto.
am späten Nachmittag/Abend. Tagsüber arbeitet die Stadt einfach vor sich hin; ab sieben Uhr abends kommt Leben rein, und dann lohnt es sich wirklich.
Das ist der einzige unangenehme Punkt. Hier gibt es tatsächlich gebührenpflichtige Zonen und komplizierte Straßen – such dir einen Parkplatz am Rand des Zentrums und geh zu Fuß weiter.
Und hier funktioniert die Guagua (Bus) tatsächlich gut: Arrecife ist der Knotenpunkt des Inselnetzes, also einer der wenigen Orte, den du ohne Auto von fast jedem touristischen Ort aus erreichen kannst. Wie man sich auf Lanzarote fortbewegt
Hier zu übernachten ist die günstigste Option der Insel und liegt zudem geografisch im Zentrum: eine gute Basis für kurze Ausflüge. Wo man auf Lanzarote übernachten kann
Häufig gestellte Fragen
Lohnt sich ein Besuch in Arrecife?
Was ist der Charco de San Ginés?
Wie viel Zeit braucht man?
Kann man ohne Auto hinfahren?
Gibt es einen Strand in Arrecife?
Welche Burgen gibt es?
Ist es eine gute Basis zum Übernachten?
Lanzarote verkauft dir Vulkane, türkisfarbene Buchten und weiße Häuser vor schwarzer Lava. Und das stimmt alles.
Aber irgendwann, wenn du schon vier Tage von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt gefahren bist, fahr nach Arrecife runter, bei Sonnenuntergang, setz dich mit einem Bier an den Charco und schau den Booten zu. Da ist nichts extra für dich inszeniert. Und gerade deshalb kommst du hier der echten Insel am nächsten.